Expedition Alpen

Expedition Alpen

Vor der aktuellen Situation hatten ein Freund und ich geplant, im Gebiet der Alpen für vier Tage wandern zu gehen. Fern der Zivilisation sollten wir in den Bergen unterwegs sein und schließlich zurück Richtung München fahren.

Corona hat uns dann leider einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, aber das hielt uns nicht ab. Wir konnten unsere Bahntickets flexibel benutzten, da aktuell früh gebuchte Tickets bei der Bahn bis Ende Oktober ihre Gültigkeit behalten. So konnten wir einfach eine Verbindung wählen, die zum selben Ziel führt.  Wir suchten uns das Wochenende nach Pfingsten aus. In der Region um den Eibsee war nur schlechtes Wetter vorhergesagt und ich wünschte mir, dass es vielleicht auch ab und zu nur bewölkt sein würde.

Es wurde also alles gepackt. Wir planten nur Brot mit Aufstrich, Obst und Gemüse mitzunehmen. Alles Sachen, die nicht gekocht werden müssen und auch bei schlechten Wetter gut zu konsumieren sind.

Unser erster Tag – Höllentalklamm und Knappen Häuser

Bei der Zugfahrt gab es, wie so häufig, ein paar Komplikationen, wodurch wir erst eine Stunde später unser geplantes Ziel erreichten. Von Garmisch-Partenkirchen (in ca. 700m Höhe) wollten wir mit dem Eibseebus zur Höllentalklamm fahren. Dies ist eine Schlucht, wo Wege in den Berg gearbeitet wurden und im Tal ein reißender Fluss fließt. Dort angekommen füllten wir nochmal unsere Flaschen mit Wasser und unsere kleine Reise begann.

Schnell nochmal das Wasser auffüllen. Vielleicht gibt es ja später keins mehr 🙄

In der Höllentalklamm (5€ für Erwachsene) angekommen startete pünktlich der Regen. Es störte uns nicht großartig, da sowieso an allen Seiten Wasserfälle runterkamen. Die Schlucht war beeindruckend, das Wasser kristallklar und überall lagen gelb-orange Steine, manchmal auch eher Felsen, im Fluss. Die Kombination ist wunderschön. Teilweise war der Weg in die Felswände gearbeitet, sodass er überdacht war. Teilweise verlief der Pfad außen entlang, wodurch wir den Fluss beobachten konnten.

Nach einiger Zeit waren wir am Ende der Klamm angekommen und mussten unseren weiteren Weg suchen. Vorab hatten wir uns eine Route für die nächsten Tage zusammengestellt. Unser Ziel für den ersten Tag waren die sogenannten Knappenhäuser. Die sind seit einigen Jahren unbewohnt, aber die Aussicht von dort ins Tal war unglaublich.

Um dorthin zu gelangen, mussten wir vorher aber noch einige Höhenmeter erwandern. Die Strecke, die wir gewählt hatten, der Knappensteig, ist wahrscheinlich noch nicht von vielen Menschen vorher gelaufen worden, denn sie bestand aus nicht viel mehr als einem Trampelpfad.

Es war auch nicht immer ganz klar, wo unser Weg nun weiterführte, da unser GPS oft Probleme hatte und wir mehrmals in die falsche Richtung gingen. Ab und zu gab es ein paar rostige, kaputte Drahtseile, an denen wir uns festhalten konnten, aber meist mussten wir direkt am Abgrund entlang. Durch unsere großen Rucksäcke wurde es nochmal erschwert, da wir uns so weniger flexibel bewegen konnten. Manche Streckenabschnitte der Route haben eine Steigung von über 60%, der Weg ist eigentlich eher etwas für Kletterer. Wir haben das zu Beginn nicht so ernst genommen und dachten uns „so schlimm kann es ja nicht werden“.

Unter Ausblick, wenn der Regen eine Pause gemacht hat.

Dadurch, dass wir langsam und vorsichtig gelaufen sind, kamen wir am ersten Tag heil bei den Knappen Häusern auf ca. 1500m an. Zunächst wussten wir nicht ob die Häuser bewohnt waren und stellten unser Zelt versteckt, nah am Abgrund, auf. Es gab wenig Platz und unsere Hände zitterten wie verrückt. Es war eiskalt, regnete immer mehr und wir waren geschafft vom Tag. Schnell zogen wir uns noch mehr trockene Schichten über, und aßen etwas von unserem Proviant. Keiner von uns wollte das Zelt in der Nacht wieder verlassen, so mummelten wir uns in die Schlafsäcke und versuchten, so gut wie möglich, zu schlafen.

Unser Schlafplatz, links neben uns ist direkt der Abgrund.

Der zweite Tag – Aufstieg zur Alpspitze

Diese erste Nacht raubte uns alle Kräfte. Am nächsten Morgen wurde entschieden schnell, „wir wollen keine weitere Nacht mehr im Zelt verbringen“. Wir waren durchgefroren, alles war noch feucht vom Regen und wir wollten auf keinen Fall krank werden. Daher änderten wir auch unsere Route ein bisschen um. Nach dem Aufstieg zur Alpspitze wollten wir wieder nach Garmisch-Partenkirchen gehen, um dort in einem Hostel zu übernachten. Wir waren froh, dass zu der Zeit wo wir unsere Sachen zusammenpackten, es einen kurzen Moment ohne Regen gab. Es kam sogar kurz die Sonne raus und die Wärme gab uns neue Kraft für den Anstieg.

Viele Menschen fahren mit der Gondel hoch, wir wollten den Weg selber gehen.

Immer noch dick eingepackt stampften wir los. Die Bergstation der Alpspitze liegt bei knapp über 2000m, also hatten wir noch ein paar Höhenmeter vor uns. Der erste Tag lag uns aber schon sehr in den Knochen, sodass es besonders mir schwer fiel, die Treppen hochzusteigen. Meine Kondition ist einfach wirklich schlecht und mein Körper hatte viel weniger Kraft als am Tag zuvor. Mit vielen Pausen kamen wir nach ein paar Stunden endlich am gewünschten Ziel an.

Dort setzten wir uns erstmal in das Bergrestaurant und tranken eine heiße Schokolade. Wir machten eine lange Pause, um unsere Beine zu entspannen und uns aufzuwärmen. Anschließend gingen wir noch die Aussichtsplattform und blickten in diese wunderschöne Landschaft.

Die größte Herausforderung hatten wir jetzt schon geschafft und es ging fast nur noch bergab. Auf dem Weg begegneten wir noch ein paar weiteren Wanderern (was am Tag davor gar nicht vorgekommen war), mit denen wir uns ein bisschen austauschen konnten. Das Wetter legte sich und es kam sogar ab und zu blauer Himmel hinter den Wolken hervor.

Je weiter wir herab stiegen, desto größer wurden die Wanderwege (dadurch oft auch langweiliger, aber das muss jeder selber beurteilen). Doch wer sagt, der Abstieg ist jetzt ein Kinderspiel, dem würde ich wiedersprechen. Auch beim Weg zurück ins Tal gab es steile Stellen. Besonders anstrengend war es, durch die vorherigen körperlichen Strapazen, für unsere Knie. Wir waren unglaublich froh endlich im Tal, bei einer Wiese, anzukommen, um dort kurz zu verschnaufen. Dann ging es endlich ins Hostel.

Endlich im Tal angekommen 🥰

Im Hostel angekommen, bekamen wir ein 5-er Dorm für uns alleine. Die Auslastung während Corona darf maximal 60% betragen. Uns kam das sehr gelegen, da wir uns so im ganzen Zimmer ausbreiten konnten. Wir hängten alle nassen Sachen auf. Das Zelt, die Schlafsäcke, unsere Regenjacken und unsere verschwitzten Klamotten. Es mag sich utopisch anhören, aber wenn Du zwei Tage quasi in der Wildnis, mehr oder weniger fern von Zivilisation, verbracht hast, dann kann ein richtiges Bett, mit einer schönen warmen Decke alles sein, was Du Dir wünscht. Auch eine Dusche war auf einmal so viel mehr Wert, als normalerweise. Wir lernten alles anders zu schätzen und waren unglaublich froh im trockenen zu sein. So aßen wir noch etwas Brot und schliefen schnell ein…

Tag drei – ein Eibsee Spaziergang

Am nächsten Tag wachten wir gestärkt auf. Relativ früh (für unsere Verhältnisse) wollten wir wieder den Eibseebus nehmen, welcher uns dieses Mal direkt zum See bringen sollte. Am See ist alles sehr touristisch, es gibt ein schickimicki Hotel, der Weg ist für jedliche Besucher einfach zu bewältigen. Die Route um den See ist ca. 7Km lang, was gut in zwei Stunden schaffbar ist. Wir wollten uns aber ein bisschen mehr Zeit nehmen und legten mehrere Stopps ein um die Landschaft zu genießen. Vom See aus konnten wir auch zum ersten Mal die Zugspitze, Deutschlands höchster Gipfel, bestaunen.

Mit dem Wetter hatten wir auch Glück, es nieselte zwar ab und zu aber auch die Sonnte zeigte sich mal. Der Eibsee ist wirklich wunderschön, er schimmert meist grünlich. Es gibt aber auch Stellen rund um die kleinen Inseln, da bekommst Du das Gefühl, als wärst Du in der Karibik (nur die Bäume auf den Inseln passen nicht ganz zum Feeling). Wären die Temperatur höher gewesen, wären wir sofort schwimmen gegangen, aber es war doch noch relativ kalt (auch wenn eigentlich schon Juni ist, aber wir hatten eh keine Schwimmsachen dabei). Drum herum ragen die vielen schönen und respekteinflößenden Berge in die Höhe.

Nach ca. vier Stunden fuhren wir zurück nach Garmisch-Partenkirchen um von dort aus weiter nach München zu fahren. Durch unsere Routenänderung hatten wir ein bisschen mehr Zeit für München eingeplant. Dort in der Unterkunft angekommen, gingen wir noch in ein Restaurant neben dem Hotel, aßen etwas und besprachen den folgenden Tag. Ich war vorher noch nie in München und hatte nicht wirklich eine Ahnung was es alles zu sehen gab, daher schauten wir, welche Sehenswürdigkeiten München zu bieten hat und welche wir uns davon am nächsten Tag anschauen würden.

Last Day – Munich

Karlsplatz in München

In München war das Wetter wirklich mit am schlechtesten. Es hat eigentlich den ganzen Tag geregnet, zuerst war es noch eher leicht, dann immer intensiver. Unsere Backpacks konnten wir im Hotel lassen, sodass wir „mit einfachen Gepäck reisen“ konnten. In München gibt es das Deutsche Museum. Ein riesiges Museum, in dem es viele verschiedene Bereiche und Knöpfe zum Anfassen gibt (ich persönlich liebe Museen, wenn ich Dinge anfassen kann. Museen wo alles starr ist finde ich oft nicht so spannend). Coronabedingt durften dort leider nur 1000 Personen rein (klingt eigentlich viel, war aber ziemlich schnell voll), sodass wir keine Tickets mehr bekommen konnten. Das war schade, weil wir uns darauf gefreut hatten und es besonders bei Regenwetter praktisch gewesen wäre.

Also schauten wir uns andere Sehenswürdigkeiten an. Zunächst waren wir auf dem Karlsplatz und danach beim Marienplatz. Dort steht das Rathaus, ein schönes Gebäude, in dem dreimal täglich das Glockenspiel läutet (wir haben es leider verpasst).

Es gibt, genau wie in Dresden eine Frauenkirche, die sehr imposant ist. Sie ist aber um einiges größer und wegen der aktuellen Situation geschlossen. Wir liefen noch zum Maximilianeum, was heute der Bayrische Landtag ist und besuchten den Friedensengel.

Was wir uns unbedingt anschauen wollten, ist der Surfspot der Eisbachwelle. Das ist Dir bestimmt auch bekannt. Das ist eine künstlich erstellte, konstante Welle, auf der viele begeisterte Surfer ihrem Hobby nachgehen können, ohne ans Meer zu müssen. Wir schauten dort fasziniert zu wie Männer und Frauen immer wieder versuchten, so lange es ging auf dieser Welle zu reiten. Anschließend wollten wir noch die Münchener Residenz anschauen, aber es war so sehr am Regnen, dass wir lieber doch nach einem Café beziehungsweise Restaurant suchten. Vieles hatte noch zu, wodurch wir nur schwer fündig wurden.

Am Ende entschiedenen wir uns dann noch einen Zug früher zu nehmen (wir konnten ja flexibel fahren wie wir wollten), da wir nicht wussten, was wir bei dem Wetter noch hätten machen sollen. Wir verabschiedeten uns und stiegen in die Züge. Ich war wirklich froh, dass ich in dieser Nacht wieder in meinem eigenen Bett schlafen würde. Zu Hause ist es doch oft am schönsten.

Der Trip war unglaublich, wir haben viele Abenteuer erlebt und im Nachhinein können wir auch über die erste, schrecklich kalte Nacht lachen.

Hast Du auch schon Mal eine solche Wanderung gemacht? Wie waren Deine Erfahrungen und wo warst Du? Teile gerne deine Erlebnisse mit mir oder erzähle von deinen neuen Wanderplänen. Ich hoffe ich habe Dich nicht zu sehr verschreckt, sondern konnte auch in Dir den Abenteurer wecken, sodass Du Dich bald auch in ein solches Wagnis stürzt.

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