Warum vegan ernähren?

Warum vegan ernähren?

In meinem Beitrag „Warum vegetarisch?“ habe ich Dir bereits die Situation mit Fleisch dargestellt und welche Auswirkungen es auf die Umwelt und Dich selbst hat. In diesem Beitrag gehe ich noch einen Schritt weiter zum veganen Lebensstil und möchte Dir erklären, wieso diese Art der Ernährung noch besser für Dich und die Umwelt ist.

Sich vegetarisch zu ernähren ist schon mal der erste Schritt in die richtige Richtung, aber bei einer veganen Ernährung kannst Du Dich nochmal steigern. Ich möchte Dich hier aber nicht ins „vegan-sein“ drängen, sondern dir zeigen, was es für positive Auswirkungen haben kann.

CO2 – Bilanz von vegetarischen Lebensmitteln

Zunächst möchte ich über zwei wichtige und leckere Lebensmittel sprechen um Dir zu zeigen, dass nicht nur Fleisch eine schlechte Umweltbilanz besitzt. Das sind einmal Butter und Käse. Ich persönlich liebe beides und gerade bei Käse ist es schwer, eine gute vegane Alternative zu finden. Ich kann verstehen, wenn Du ungern darauf verzichten möchtest.

Fangen wir mit der Butter an. Butter ist oft umweltschädigender als Rindfleisch, da es eine CO2 – Äquivalente von 24kg pro Kilogramm Butter besitzt (Fleisch zwischen 10 und 30 kg). Ein Stück Butter sieht auf den ersten Blick gar nicht so „böse“ aus, aber um ein Kilogramm Butter herzustellen, werden 18L Milch benötigt. Jetzt kannst Du dir vorstellen, wie viel Butter wir in einem Jahr verzehren und wie viel Milch wir damit unbewusst verbrauchen. Es werden viele Kühe gebraucht welche große Mengen von Methangas ausstoßen (was um einiges schlimmer ist als CO2).

Bei Butter ist es aber einfach, auf pflanzliche Produkte umzusteigen. Es gibt entweder verschiedene Margarine-Sorten oder Du kaufst „Alsan“ Butter, die besteht auch aus pflanzlichen Teilen.

So viel Butter isst jeder von uns im Durchschnitt :O

Kommen wir zum Käse. Der liegt direkt hinterm Rindfleisch mit einer durchschnittlichen CO2-Bilanz von 8,5kg pro Kilogramm Käse. Hier hängt die klimafreundlichkeit vom Fettgehalt des Käses ab. Je fettiger, desto Umweltunfreundlicher der Käse. Auch für dieses tolle Milchprodukt werden mehrere Liter Milch gebraucht. Dies fällt je nach Käse immer anders aus, so braucht Frischkäse nur ca. 4L, Hartkäse um die 13L, Milch.

Käse ist außerdem ein großer Wasserverbraucher. Je nachdem was für ein Käse hergestellt wird, ändert sich der Verbrauch von virtuellem Wasser natürlich. Pro Liter Milch entstehen ca. 700L virtuelles Wasser, welches größtenteils für das Futter benötigt wird. Jetzt kannst Du Dir für jeden Käse ungefähr hochrechnen wie viel Wasser er benötigt (für Butter kannst Du es Dir so auch hochrechen, dort ist es noch viel mehr als beim Käse :/ ).

Ungefähre Zahlen für den virtuellen Wasserverbrauch. Je nach Haltung und Produkt kann das etwas abweichen.

Was viele außerdem nicht wissen ist, dass in sehr vielen Käsesorten tierisches Lab enthalten ist, dies wird aus Kälbermägen entnommen. Dieser Käse ist so nicht mal vegetarisch. Das ist fast immer bei Parmesan der fall, aber auch in anderen Sorten, wenn Du also Käse isst und vegetarisch lebst, schau lieber auf die Bestandteile. Käse gibt es mittlerweile auch in vegan und ich finde er schmeckt auch sehr lecker, aber Du hast oft viel Verpackung drum herum und bisher gibt es ihn fast nur in Scheiben.

Du darfst natürlich nicht vergessen, dass auch Gemüse einen CO2 Einfluss hat, da es oft durch die halbe Welt geschickt wird. Besonders exotische Früchte oder Gemüsesorten kommen meist nicht aus Deutschland oder der EU und können hier nicht angebaut werden (Avocado, Ananas, Kiwi, Melonen, Zitronen). Selbst Äpfel, die in Deutschland gut wachsen, werden häufig importiert, sodass wir sie das ganze Jahr essen können. Die Energie die dabei verbraucht wird ist aber viel geringer als die der Produktion von Fleisch, Käse oder Butter. Ca. 163g CO2 entsteht pro Kilogramm Äpfel.

Als kleiner Vergleich

Setze ein Zeichen gegen Massentierhaltung

Nicht nur in der Fleischindustrie gibt es die Massentierhaltung, sondern auch in der Milch- oder Eierproduktion. Die Tiere haben zwar ein etwas längeres Leben, da sie nicht schon als Junges zu Steak oder ähnlichem verarbeitet werden, dennoch führen sie ein Leben erfüllt von Angst und Schrecken.

Milchkühe müssen jährlich künstlich geschwängert werden, damit sie weiter Milch geben. Wenn das Kalb geboren ist, wird es direkt von der Mutter getrennt, damit diese genügend Milch an uns Menschen gibt. Zweimal pro Tag werden die Kühe gemolken, müssen sich durch enge Wege zwängen und werden quasi „ausgesaugt“ von einer Maschine.

Milchkühe produzieren viel mehr Milch (Ca. 50L pro Tag) als sie es in natürlichen Verhältnissen (je nachdem wie viel das Kalb benötigt weniger als 10L pro Tag) tun würden und können so, wenn sie nicht gemolken werden, schlimme Entzündungen bekommen. So entsteht ein Teufelskreis für die Tiere.

Quelle: https://www.vegpool.de/magazin/platzt-euter-wenn-man-kuehe-nicht-melkt.html

In der Eierproduktion ist es vielleicht sogar noch etwas schlimmer. Täglich werden ca. 60.000 weibliche Küken geboren und können Legehennen werden. „Leider“ werden jeden Tag genauso viele männliche Küken geboren, mit denen die Industrie nichts anfangen kann. Diese werden bereits ein paar Minuten nach ihrer Geburt entweder geschreddert oder vergast, da sie keine Eier legen können. Vielleicht kennst Du Videos dazu, wie tausende Küken auf einem Laufband stehen und auf eine Schredder-Maschine zufahren. Ein grausamer Tod nach einem unglaublich kurzen Leben.

Um die männlichen Tiere nicht länger grausam zu töten wird aktuell daran geforscht, ein „Zweinutzungshuhn“ zu züchten. Das bedeutet, dass die männlichen Küken am Leben bleiben und durch Züchtung zu „Masthühnern“ herangezogen werden können. So bleibt ihnen immerhin ein längeres Leben – sterben müssen sie trotzdem.

Quelle: https://www.tierwohl-staerken.de/nutztiere/gefluegel/huehner

Die weiblichen Hennen haben zwar ein längeres Leben, aber ein genauso grausames. Besonders Tiere in Boden- oder (noch schlimmer) Käfighaltung, sind enormen Stress ausgeliefert. In Käfighaltung leben die Tiere in relativ kleinen Käfigen (in Deutschland 890cm2), in denen sie ein Legenest, einen Scharrbereich, eine Sitzstange und Einstreu besitzen (6% in Deutschland).

Bodenhaltungshennen können sich in einem Stall frei bewegen. Es werden aber ca. 9Tiere pro m2 gezählt. Außerdem sind die Nester oft in mehreren Etagen aufgestapelt, um Platz zu sparen. Nur ein Drittel der Fläche muss gestreut sein (62% in Deutschland).

Hennen in Freilandhaltung haben immerhin einen Anspruch auf 4m2 Freiland pro Tier. Der Stall hat jedoch ähnliche Konditionen, wie in der Bodenhaltung (20% in Deutschland).

Bio – Eier haben die besten Voraussetzungen und es werden nur 6 Hennen pro m2 im Stall gehalten. Auch sie haben pro Tier je 4m2 Freiland zur Verfügung (12% in Deutschland). Die Eier werden je nach Kategorie speziell gekennzeichnet, sodass der Käufer immer sehen kann, woher die Eier kommen, die er gekauft hat.

Ich verstehe, wenn Du nicht komplett auf Eier verzichten möchtest, ich kaufe auf ab und zu welche, aber vielleicht achtest Du bei Deinem nächsten Einkauf darauf, welche Tierhaltung Du unterstützen möchtest. Wenn Du selber die Möglichkeit hast, Hühner zu halten oder einen Bauernhof kennst, auf dem die Tiere frei herumlaufen, ist das natürlich noch besser. Der Versuch, bewusster zu konsumieren, ist auf jeden Fall auch ein Schritt in die richtige Richtung.

Das vegane Leben

Wenn Dich dies nun überzeugen konnte, entweder auf deinen Konsum dieser Lebensmittel zu achten oder Du Dich direkt für eine vegane Lebensweise entscheidest und es ausprobieren möchtest, möchte ich Dir jetzt noch einige wichtige Dinge mit auf den Weg geben. Vegan zu sein heißt, sich umzustellen. Dein Körper erhält normalerweise über tierische Produkte eine Menge Mineralien, die in Pflanzen teilweise weniger oder fast gar nicht vorhanden sind. Daher musst Du darauf achten, was Du in welchen Mengen zu Dir nimmst. An sich ist das alles nicht kompliziert, aber gut und wichtig zu wissen.

  1. Protein/ Eiweiß

Viele denken vielleicht Eiweiß kann nur über tierische Produkte wie Eier etc. aufgenommen werden, aber Proteine sind auch in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vorhanden. Das einzige worauf Du achten solltest, ist eine gute Kombination aus verschiedenen Proteinquellen, damit die benötigte Qualität und Menge erreicht werden kann.

Protein ist besonders in Hülsenfrüchten (Erbsen, Linsen), Soja (Tofu), Nüssen und Samen, sowie Getreide, vorhanden. In der unten angefügten Tabelle kannst Du genau sehen wie viel zu dir nehmen solltest. Pro Kilogramm Körpergewicht brauchst Du ca. 0,8g Proteine. Hört sich vielleicht erstmal viel an, ist es aber gar nicht und Du kannst die Menge einfach erreichen.

Beispiel: Ich wiege ca.56 kg > benötige 44,8g Proteine am Tag > Blick auf die Tabelle > schon eine Mischung aus ERdnüssen und Mandeln decken meinen Tagesbedarf 😀 Du musst also nur etwas auf eine gute Kombination achten, um alle Stoffe im Körper abzudecken.

2. Vitamin B12

Vitamin B12 ist wirklich das einzige Vitamin, welches so gut wie nicht in pflanzlichen Lebensmitteln vorhanden ist und wir Veganer so meist als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen sollten. Geringe Mengen sind in Bier, Sauerkraut oder Algen vorhanden, diese Mengen reichen aber erstens nicht aus und zweitens ist nicht bestätigt, dass die Wirkung genauso ausfällt, wie die vom tierischen Vitamin B12.

Erstmal merkst Du gar nicht, dass Du einen Mangel an Vitamin B12 hast, denn das Vitamin wird relativ lange im Körper gespeichert, aber es gibt unschöne Folgen, die nach einiger Zeit auftreten. Erste Anzeichen könnten Müdigkeit, Schwindel oder Blässe sein. Langfristige Probleme können bei der Blutbildung entstehen (Vitamin B12 ist für die Zellteilung und Bildung roter Blutkörperchen verantwortlich). Außerdem kann es zu Gleichgewichtsstörungen oder Apathien kommen.

Die Tabletten zu nehmen ist daher fast ein Muss. Du kannst auch bei einem Arzt einen Test machen lassen, wie deine Vitamin B12 Werte sind und dann gezielt Tabletten kaufen. Was auch möglich ist, aber vielleicht nicht auf Dauer ist das essen von Eiern ab und zu. Gerade wenn Du im Übergang zwischen vegetarisch und vegan bist, ist das am Anfang vielleicht eine gute Lösung zum Gewöhnen.

3. Omega-3-Fettsäuren

Diese Fettsäuren braucht Dein Körper für Herz, Blutgefäße, Gehirn und Nervenzellen. Es ist also wichtig, seinen Körper genügend damit zu versorgen. Anders als beim Vitamin B12 gibt es Omega-3-Fettsäuren auch in pflanzlichen Lebensmitteln. Auch wenn es nur aus Fisch bekannt ist, enthalten auch Öle wie Lein-, Raps-, Hanf- oder Walnussöl diese Fettsäure. Achte darauf, dass Du diese Öle in deine Ernährung einplanst.

Wenn Du Bedarf oder bereits einen Mangel hast, kannst Du auch hier Tabletten als Ergänzung hinzunehmen. Dein Körper benötigt ca. 300mg pro Tag an Omega-3-Fettsäuren, den kannst Du aber durch einen regelmäßigen Verzehr von den oben genannten Ölen gut decken.

So kannst Du Deinen Tagesbedarf decken 😀

4. Eisen

Eisen brauchst Du besonders für den Sauerstofftransport Deiner roten Blutkörperchen. Hier kannst Du einfach wieder auf pflanzliche Lebensmittel zurückgreifen, denn es gibt eine Vielzahl an Gemüsesorten, in denen Eisen enthalten ist. Du bekommst Eisen zum Beispiel aus Spinat, Nüssen und Samen, Brokkoli, Petersilie, Salat und aus verschiedenen Säften wie schwarzer Johannisbeersaft oder Kirschsaft. Um die Aufnahme von Eisen zu verbessern hilft Vitamin C, denn es kommt beim Eisen weniger auf die Menge drauf an, sondern wie gut es aus bestimmten Lebensmittel aufgenommen werden kann. Dafür kannst Du beim Essen einfach einen Orangensaft oder ähnliches zu Dir nehmen.

Ganz wichtig: wenn Du vegan lebst oder es mal ausprobieren möchtest, mach Dir selber nicht zu viel Druck! Niemand muss perfekt sein und wenn Du doch mal ein tierisches Produkt isst, reist Dir keiner den Kopf ab. Du solltest Dich zu nichts zwingen, sondern gerne diesen Lebensstil verfolgen und wenn es nichts für Dich ist, ist das völlig okay.

Ich hoffe, ich konnte Dir hier zeigen, was eine vegane Lebensweise für positive Auswirkungen auf Tiere, Umwelt und Klima hat. Auch wenn die Anpassungen der Ernährung vielleicht am Anfang kompliziert oder aufwändig wirken, ich kann Dir sagen, dass alles mit der Zeit kommt. Wenn du es ausprobierst, wirst Du sehen, wie einfach und verlockend es sein kann, denn Du wirst viele neue Rezepte und Nahrungsmittel kennen und lieben lernen. Wenn Du gar nicht auf Käse, Eier oder Milch verzichten möchtest, aber bei anderen Dingen auf vegane Produkte umsteigst, ist das auch schon sehr gut. Du solltest die Umstellung in Deinem Tempo machen und nicht, weil es gerade ein Trend ist und es „alle“ machen.

*-*

Bist Du bereits vegan oder vegetarisch? Konnte ich Dir Anregungen geben und möchtest Du vielleicht das vegane Leben einmal ausprobieren? Schreib mir gerne Deine bisherigen Erfahrungen als Veganer oder auch Nicht-veganer, ich freue mich auf einen Austausch. 😛

P.S. Wenn Du gerne noch ein paar Einblicke aus erster Hand zu der Tierhaltung sehen möchtest, kannst Du Dir auf Youtube gerne die Dokumentation „Dominion“ anschauen. Dort wird die kanllharte Wahrheit für viele unserer „Nutztiere“ gezeigt. Die meisten Aufnahmen sind aus Australien, aber die Unterschiede zu Europa werden nicht großartig sein. ( Ich musste am Ende krass weinen und habe noch Stunden darüber nachgedacht…) Schreib mir gerne wie viel Du Dir ansehen konntest und ob Du auch erschüttert warst.

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