Schottland Kurztrip No.5 (a) – Urlaub in den hohen Norden

Schottland Kurztrip No.5 (a) – Urlaub in den hohen Norden

Unsere Zeit in Schottland sollte bald zu Ende gehen und wir waren dabei, unsere letzten Hausarbeiten zu bearbeiten und abzugeben. Wie schon vorher, hatten wir kaum Unterricht in der Uni und da wir nur noch Prüfungen zu schreiben oder abzugeben hatten, brauchten wir fast nicht mehr anwesend zu sein. Da mussten wir die freie Zeit natürlich wieder nutzen, um unseren letzten und längsten Trip zu planen. Wir hatten schon viel von dem Land gesehen, aber wir waren noch nicht ganz im Norden der Highlands und auf der wohl bekanntesten Insel, der Ilse of Skye, gewesen. Das durften wir auf keinen Fall auf unserer Reise auslassen.

Wir hatten zwar noch eine Prüfung kurz nach unserem geplanten Trip, aber wir bereiteten Lernkarten vor und wollten diese bei den Autofahrten auswendiglernen. Das Reisen stand eindeutig im Vordergrund. Dieses Mal holten wir unseren Mietwagen wieder am Vorabend der Abfahrt ab, sodass wir früh losfahren konnten. Die Tour sollte 7 Tage dauern und wir wollten bis zum nördlichsten Punkt von Schottland fahren. Auf dem Weg dorthin hatten wir viele Stopps eingeplant. Anschließend wollten wir auf die Ilse of Skye. Auf unserem Rückweg nach Edinburgh wollten wir die Ostseite von Schottland erkunden, bis wir schließlich wieder bei unserem Haus ankommen und uns auf die anstehende Prüfung vorbereiten würden.

So ging die kleine Reise los. Da es mittlerweile Dezember geworden war, mussten wir immer früh aufstehen, damit wir den Tag nutzen konnten, denn je höher wir in den Norden fuhren, desto früher ging die Sonne unter, ca. so um 15:30 Uhr.

Unser erster Stopp sollte Loch Leven Castle sein. Hier wurde Mary Queen of Scots 11 Monate festgehalten, bis sie eines Tages fliehen konnte. Das Castle liegt auf einer Insel in einem See nahe an Edinburgh gelegen. Als wir dort ankamen, regnete es in Strömen, sodass wir nach wenigen Sekunden komplett durchnässt waren, trotz Regenjacke. Wir schauten uns am Hafen um, denn es sollte eine Fähre mehrmals am Tag zu der Insel fahren.

Nach kurzem suchen fanden wir das Schild welches uns sagte, dass das Schloss für den Winter bereits geschlossen war. Wir waren also völlig umsonst durch den Regen gestapft. Wir setzten uns in unser Auto und tippten die weitere Route ins Navi ein. Langsam ließ der Regen nach und als wir losfuhren hörte er ganz auf. Welch ein toller Start, aber davon ließen wir uns natürlich nicht abhalten.

Wir versuchten all unsere nassen Jacken im Kofferraum auszulegen, sodass sie trocknen könnten und fuhren zum Scone Palace. Diesen habe ich schon mit meinen Eltern versucht zu besuchen, aber dieses Mal konnten wir endlich kostenfrei auf die „Castle Grounds“ und uns den „Stone of Scone“ anschauen. (Ab November sind diese ohne Eintritt frei zugänglich, das Schloss ist weiterhin kostenpflichtig.) Wir liefen einmal über die Anlage. Es gab dort einen Stein, wie bei der Arthus Sage, mit einem drinsteckenden Schwert, bei dem wir alle einmal probierten, es herauszuziehen (klappte leider nicht, wir sind wohl nicht die würdigen Thronfolger).

Dann schauten wir uns den berühmten Stein an. Dieser ist kleiner und unspektakulärer als wir es uns ausgemalt hatten.

Da wir noch einiges an Strecke zurücklegen wollten, wir wollten noch bis nach Inverness, fuhren wir weiter zum nächsten Ziel. Dies war das Huntington Tower Castle. Auch hier war ich bereits mit meiner Familie gewesen und auch dieses Mal war die Ticketfrau in der Mittagspause. Das unpraktische dieses Mal war, dass die Tür zum Schloss verschlossen war und wir auf die Frau warten mussten. Diese kehrte bald zurück und wir konnten das Innere des Schlosses bestaunen.

Auf dem weiteren Weg hielten wir an einem kleinen Wäldchen, in dem man einen schönen Spaziergang machen konnte. Dieser führte auf einen Hügel, wo man die Aussicht genießen konnte. Den richtigen Punkt für die Aussicht fanden wir zwar nicht, aber es war dennoch schön, durch einen kleinen, verwunschenen Wald zu laufen. Anschließend sollte es direkt nach Inverness gehen.

In Inverness hatten wir uns ein Guesthouse gebucht, in dem wir eincheckten und unsere Sachen abstellten. Zur Feier des Tages und da wir nun unsere letzte gemeinsame Reise in Schottland antreten würden, wollten wir in ein Restaurant etwas essen gehen. Schnell wurden wir bei einem gemütlichen Italiener fündig, welcher direkt am Fluss Ness gelegen war. Dort bestellten wir uns drei superleckere Pizzen und ließen den Abend ausklingen.

Sooo lecker 😀

Da wir Inverness als City sehr schön fanden, wollten wir uns die Stadt am nächsten Morgen nochmal genauer anschauen. So liefen wir durch die Straßen und gingen in Geschäfte. Auch beim Inverness Castle wollten wir kurz vorbeischauen.

Beim Loch Ness wollten wir uns das Urquard Castle anschauen. Bei meinem zweiten Besuch war es leerer und das Wetter besser. Wieder schauten wir uns den Film zur Geschichte des Schlosses an und besichtigten es anschließend. Für die anderen beiden war es ein neues Schloss, für mich bekannt, dennoch schaute ich mir gerne nochmal alles an. Dadurch, dass weniger Menschen anwesend waren, war es nochmal anders.

Für alle Nessi-Sucher, meine Theorie ist, da der Loch Ness verbunden mit dem Fluss Ness ist (welcher schließlich ins Meer mündet), dass Nessi einfach unauffällig durch den Fluss ins Meer schwimmt und so nicht gefunden wird. Manchmal kommt sie dann bestimmt auch „nach Hause“ in den See zurückgeschwommen. 😀

Als wir uns alles angeschaut hatten, wollten wir über Inverness, weiter in den Norden fahren. Unser Ziel war Thurso, diese kleine Stadt liegt fast am nördlichsten Punkt von Schottland. Als wir aber unterwegs waren, suchte Michelle auf einmal ihr Portemonnaie. Wir dachten erst, dass es bestimmt im Kofferraum liegen muss und hielten am Straßenrand an. Sie suchte und suchte, aber fand es einfach nicht.

Da schaute sie auf ihr Handy und sah eine Nachricht bei Facebook, von einer Person, die sie nicht kannte. Ein Mann hatte ihr geschrieben, dass er das Portemonnaie auf der Straße in der Nähe des Schlosses gefunden hatte und es ihr wiedergeben würde. Wir waren alle erleichtert. Wir machten einen Treffpunkt aus und fuhren nach Inverness zurück. Nach kurzem warten kam der Mann zu uns und gab Michelle ihren Geldbeutel zurück. Wir waren alle glücklich, dass es diese freundlichen Menschen gegeben hatte, denn sonst wäre unsere Reise weitaus weniger Spaßig geworden.

So konnten wir unseren Weg fortsetzen und Richtung Norden fahren. Bevor wir in Thurso ankamen, wollten wir noch zwei Stopps einlegen. Da es aber so schnell dunkel wurde, schauten wir uns das Schloss, welches auf dem Weg liegen sollte, bereits im Dunkeln an und konnte es nur in den Scheinwerfern des Autos erkennen. Den zweiten Halt verschoben wir auf den nächsten Tag, denn in der Dunkelheit wollten wir lieber in die Unterkunft und früh schlafen gehen.

Morgens fuhren wir zum Duncansby Head, der nördlichsten Spitze von Schottland. Dort war es so unglaublich windig, dass wir kaum die Türen des Autos öffnen konnten. Wir konnten uns mit unseren Jacken richtig in den Wind legen, ohne umzufallen und unsere Haare flogen in alle Richtungen. Wir liefen über die Wiesen, bis wir zum Zaun am Rand der Klippen kamen und schauten über das Meer, auf dem die Wellen spielten.

Weiter wollten wir entlang der Küste bis nach Ullapool fahren. Immer wieder hielten wir bei Aussichtspunkten und Brücken an. Die Landschaft war einfach erstaunlich. Kaum eine Menschenseele, nur Sträucher, Hügel und Weite.

Auf unserem Weg lag auch die moderne Laxford Bridge. Diese passt eigentlich kaum in das Bild dieser Landschaft, aber dadurch ist sie sehr bekannt.

Eines unserer Tagesziele war ein sehr unbekannter Ort, der Old Man of Stoer. Damit meine ich nicht den ähnlich klingenden Ort auf der Ilse of Skye, sondern einen kleinen Ort an der Küste in den Highlands. Ich hatte davon gelesen und so fuhren immer weiter in eine verlassene Welt. Die Straße auf der wir fuhren war relativ schmal, wie es in dieser Gegend üblich ist, aber dann zeigte das Navi an, dass wir bitte rechts abbiegen sollten. Die Straße rechts von uns war keine wirkliche Straße. Es war ein Schotterweg, der durch den vorherigen Regen mit mehreren Furten versehen war.

Da wir nur noch 3km bis zu unserem Ziel fahren müssten, dachten wir, kann es nicht so schlimm werden und fuhren in die Straße hinein. Die ersten Furten waren gut schaff bar, aber auf der Straße lagen viele große Steine und wenn wir durch das Wasser fuhren, wussten wir nie, ob dort irgendwo ein großer oder spitzer Stein liegen und unser kleines Mietauto beschädigen würde. Ich saß am Steuer und nach jeder Furt wurde mein Gefühl schlechter und ich war mit nicht mehr sicher, ob wir es an unser Ziel schaffen würden oder lieber versuchen sollten umzudrehen. Bei der nächsten Furt, die so tief war, dass das Wasser über das Auto spritzte, war es für mich genug, auch die anderen waren sich nicht sicher, ob wir weiterfahren sollten.

Das Wetter wurde auch wieder schlechter und so überlegten wir, was wir tun sollten. Das Problem war, dass die Straße so eng war, dass nur ein kleines Auto drauf passte und von beiden Seiten viele Steine und weiche Wiese waren. Zunächst stiegen wir aus dem Auto aus und schauten und den weiteren Verlauf der Straße an und suchten nach einer geeigneten Stelle, um vielleicht doch zu wenden. Michelle und ich wechselten die Plätze und wir fuhren ein Stückchen weiter, da wir keine Alternative gefunden hatten und Rückwärts wieder zurückfahren stellte ich mir auch schwer vor.

Wieder stiegen wir aus und suchten weiter nach einer Stelle zum Drehen. Dieses Mal fand ich an einer Kurve eine Chance, an der wir es womöglich schaffen könnten. So fuhr Michelle weiter vor und ich lotste sie in die richtige Richtung. Nach mehrfachen kleinen Vor- und Zurückbewegungen war das Auto endlich um 180° gedreht und wir mussten nur noch den Weg bis zur Straße zurückfahren. Auch auf der Rückfahrt saßen wir relativ angespannt in den Sitzen, aber als die ersten Furten einigermaßen gut überstanden waren, schöpften wir Hoffnung für die nächsten und nach einiger Zeit waren wir endlich wieder an der richtigen Straße angekommen.

Dort brauchten wir erstmal eine kleine Pause und sammelten uns. Wir waren heilfroh, dass wir das Mietauto aus der Situation bekommen hatten und das wir Asphalt unter den Füßen spürten. Es Dämmerte schon wieder, daher fuhren wir schnell weiter Richtung Ullapool. Kurz vorher kauften wir uns noch ein kleines Take Away.

Angekommen an der Unterkunft fanden wir dort niemanden vor. Wir stellten unser Gepäck ab und schauten uns drinnen um, aber kein Mensch war zu sehen oder zu hören. Später fanden wir einen Brief vom Inhaber, indem er schrieb, dass er zurzeit im Urlaub wäre und wir uns einfach selber ein- und auschecken sollten und das Essen im Kühlschrank für uns wäre. wir waren erstaunt, wie viel Vertrauen die Schotten hatten, aber nach diesem Tag schockte uns nicht mehr viel. Wir ließen den Tag nochmal Revue passieren und schauten uns einen Film auf dem Laptop an.

Schon am nächsten Tag sollte es auf die Ilse of Skye gehen. Vorher wollten wir uns aber noch den in Schottland nördlichst gelegten Botanischen Garten im Freien anschauen. Da es so spät im Jahr war, blühte im Inverewe Botanical Garden kaum etwas, dafür konnten wir ihn kostenfrei betreten (wir waren uns nicht sicher, ob er für Besucher geöffnet war, da viele Arbeiter unterwegs waren, aber wir gingen einfach durch das Tor).

Wir liefen ohne Plan den Schildern hinterher und schauten uns die Pflanzen an, die zu dieser Jahreszeit noch einigermaßen schön aussahen. Nach einiger Zeit kamen wir zum Meer und liefen immer weiter in den Garten hinein. Irgendwann wussten wir nicht mehr ganz, wo der Ausgang gewesen war und da es wieder später geworden war, suchten wir den Rückweg.

Im Sommer ist der Garten bestimmt sehr sehenswert, allein weil die tropischen Pflanzen im Freien wachsen und nicht in einem Glashaus, aber im Winter konnten wir nicht so viel sehen. Das war okay für uns, wir waren immerhin mal dort gewesen und konnten nun weiter in den Süden fahren.

Ein weiterer Stopp war der Wester Ross Trail. wir fuhren zu dem auf GoogleMaps gezeigten Punkt und suchten nach dem Eingang des Weges. Wir fanden ihn aber einfach nicht, sodass wir einen Local fragten. Nach weiterem suchen fanden wir den Trail und stellten unser Auto ab. Wir wollten nur ein Stück hineinlaufen und dann umkehren, da wir nicht so viel Zeit hatten.

Bevor wir dann auf die Ilse of Skye fahren würden, hielten wir noch beim Eilean Donan Castle an. Da dies nicht im Explorer Pass enthalten ist und das Wetter nur semi-gut war, schauten wir uns das Schloss von außen an und gingen in den Shop.

Auf die Ilse of Skye kann man direkt über eine Brücke fahren und so führten wir unsere Reise mit weiteren atemberaubenden Landschaften und tollen Erlebnissen weiter.

Im ersten Teil unserer Reise haben wir viele Höhen und Tiefen erlebt. Jeder Tag hatte besondere Eindrücke, an die wir uns noch lange erinnern werden. Auch wenn es immer früher dunkel wurde, konnten wir unsere Zeit gut nutzen und hatten viel Freunde, die vielen Schlösser und Landschaften zu besuchen. Hier findest Du den zweiten Teil unserer Reise und die Erlebnisse der Ilse of Skye.

Warst Du schon im hohen Norden von Schottlands Highlands unterwegs und konntest diese Menschenleeren Schönheiten bewundern? Welche Erfahrungen konntest Du auf Deinen Reisen machen? Schreibe mir dies gerne in die Kommentare. 😀

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