Deutschland

Sommercamp: Kulturwandel 2.1 – Mein innerer Prozess (Teil 2)

Die ersten Tage im Sommercamp erwiesen sich schwieriger als gedacht, doch es war erst der Anfang und es gab noch viel Zeit, sich zu öffnen, Prozesse in Gang zu setzten und sich auf alles einzulassen. Die Frauengruppe am Abend des zweiten Tages ließ mich endlich ankommen und so schöpfte ich neue Energie für die kommende Zeit. Es standen Feste, jede Menge Inputs, ein Innerer Prozess und viele intensive Gespräche an.

Tag 3 – Das erste Fest

Morgens musste ich den Vortrag ausfallen lassen, da ich bei der morgendlichen Arbeit in der Dorfkneipe und den Vorbereitungen für die erste der drei Partys, helfen sollte. Wir füllten Getränke ein und bestückten die Bar für die Party. Ich war froh, an diesem Tag keinen Vortag zu hören und weniger Input zu bekommen. Und ich konnte die Leute, die in der Kneipe arbeiteten, besser kennen lernen.

Nach dem Essen traf ich mich mit Marco. Wir holten uns eine Decke und suchten uns ein schattiges, ruhiges Plätzchen im Gras. Kaum hatten wir es uns gemütlich gemacht, stellte mir Marco eine Frage die uns über die Zeit im ZEGG verbinden sollte. Schon ein paar Tage vorher kamen wir auf das Thema zu sprechen, dass ich manchmal nicht genau weiß, wie ich Sachen formulieren soll und sie dadurch erst gar nicht ausspreche. Marco wollte genau das mit mir üben. Wenn wir uns trafen würde immer diese Frage kommen, manchmal musste ich überlegen, ob es eine Situation gegeben hatte, manchmal fiel mir gar nichts ein und manchmal wusste ich schon vorher, was ich ihm auf die Frage antworten würde.

Wir erzählten auch von den letzten Tagen, was wir erlebt hatten und wie wir an diesem Ort angekommen waren. Marco war, im Gegenteil zu mir, weitaus besser und schneller in seiner Gruppe und im ZEGG angekommen, für ihn war diese Erfahrung gerade genau das richtige und er genoss jeden Moment davon. Für mich war es schwieriger gewesen, ich wusste, dass es auch für mich der richtige Augenblick war, doch waren es unglaublich viele, neue Erfahrungen für mich.

Die Zeit verging wie im Flug und bald mussten wir in unsere Gruppen. Ich war zwiegespalten, aber bereit, dem Ganzen noch eine Chance zu geben. Wieder begann es mit einem Spiel, dieses Mal aber einem, mit dem ich etwas anfangen konnte. Wir sollten uns in Tiere verwandeln, einmal in einen Elefanten und dann in Löwen. Die Löwen fauchten sich an und stolzierten auf allen vieren durch den Raum, bis sie müde wurden und sich eng aneinander kuschelten. Damit wir nicht direkt einschliefen, sollten wir uns dann leider wieder zurück „verwandeln“.

Als nächstes kamen wir zu zweit zusammen und bekamen eine neue Aufgabe. Wir sollten gegenseitig Fragen beantworten (die Fragen habe ich leider vergessen). Dabei erzählte eine Person und die andere hörte zu, nach 5 Minuten wurde gewechselt. Ich hatte Luise als Partnerin und als sie an der Reihe war, erzählte sie mir von einem Thema, welches sie demnächst im Forum ansprechen wollte. Ich war dankbar für ihr Vertrauen und ihre Offenheit mir gegenüber und wollte sie ermutigen sich zu trauen, beim nächsten Forum in die Mitte zu gehen.

Als wir am Ende unserer Zeit die Stühle zu einem Kreis umstellten und uns auf ein weiteres Forum vorbereiteten, war ich viel entspannter als am Tag zuvor. Ich spürte nicht mehr diesen Druck, vielleicht auch daher, weil ich wusste, dass mindestens eine Person in die Mitte gehen würde.

Nach dem Abendessen musste ich schnell in den Bauwagen um mich umzuziehen. Wir wollten uns gemeinsam an der Dorfkneipe treffen und Wein trinken, den Hamer und Ruby aus meiner Gruppe gekauft hatten. Da die Feste alle drei alkoholfrei sein würden, wollten wir vortrinken. Kurz danach wollten Lucas und ich uns mit dem restlichen Kneipenteam treffen um alles für den heutigen Abend zu besprechen. So tranken wir, wurden von Pia wunderschön geschminkt und warteten auf das Kneipenteam. Das tauchte aber nicht auf, da machten wir uns auf den Weg zur eigentlichen Partylocation, wo wir dann alle fanden. Schnell halfen wir mit, die letzten Vorkehrungen zu treffen. Draußen waren schon viele Leute auf dem Platz und bald würde es losgehen.

Der Anfang der Party war angeleitet. Eine Frau aus dem ZEGG leitete an, dass wir zu zweit zu der Musik tanzen sollten. Nach jedem Lied wurde der/die Partner*in gewechselt. Da die Bar erst nach diesem Teil öffnete, konnten wir mittanzen. Wir gingen auch auf den Platz und tanzten mal mit dem Kneipenteam, mal mit Männern oder Frauen, die ich vorher noch nicht kannte oder mit Leuten aus meiner Gruppe. Die Energie war hoch und es machte Spaß, sich einfach von der Musik treiben zu lassen.

„Leider“ mussten wir nach diesem Part hinter die Bar und unserer eigentlichen Arbeit nachkommen. Wir mischten (alkoholfreie) Cocktails, verkauften jegliche Getränke und tanzten hinter der Bar weiter, wenn wenig los war. Nach dem ersten großen Ansturm kamen nur noch wenige Leute und wir konnten abwechselnd raus gehen und tanzen.

Diese Gelegenheiten nutzte ich natürlich so gut ich konnte. Am Ende des Abends hatte ich wahrscheinlich nur 20% der Zeit gearbeitet und die restliche Zeit getanzt, aber da ich die anderen auch oft beim Tanzen sah, war das in Ordnung.

Mit den Leuten aus meiner Gruppe tanzte ich Lied für Lied entweder in einer größeren Gruppe oder zu zweit. Alle hatten unglaublich viel Spaß, selbst Liam, der vorher weniger begeistert war, da er tanzen nicht mochte, fand Gefallen daran und tanzte mehr und mehr.

Ab und zu schaute ich doch nochmal bei der Bar vorbei um abzuchecken ob ich jemanden ablösen sollte, aber Dominik hatte alles gut im Griff und brauchte nur selten Hilfe.

Als die Party schließlich dem Ende nahte, gingen wir alle noch einmal raus auf den Platz. Wir stellten uns alle in einem großen Kreis zusammen, hielten uns an den Händen und bewegten uns leicht nach links und rechts, wie eine Welle. Zum Schluss sollten wir uns zwei Menschen aussuchen, denen wir einen besonderen Abschied schenken sollten.

Nach zwei langen, schönen Umarmungen machte ich mich auf den Weg in die Kneipe. Lucas und ich sollten dort noch eine Stunde die Stellung halten, sodass die Gäste dort weiter feiern konnten.

Wir waren zwar beide müde, doch es war nicht viel zu tun, sodass wir uns unterhalten und aufräumen konnten. Danach fiel ich nur noch ins Bett.

Tag 4 – Der Ecstatic Dance und eine Kakaozeremonie

Mal wieder ließ ich das Frühstück aus und ging noch müde zum Vortrag. Achim, mein Onkel, war heute mit seinem Thema: „Die Entscheidung – Die Notwendigkeit des Kulturwandels“ dran.

Er erklärte, dass die Entscheidung nicht im Außen, sondern im Innen getroffen werden muss, denn dort liegt meist das Problem. Er sprach auch davon, dass sich unser Gehirn lieber im „Standby-Modus“ befindet und sich daher oft gegen Neues oder Veränderungen wehren möchte. Daher muss jeder bewusst und gewollt eine Entscheidung treffen.

Am Ende wurde uns das Programm für den Tag erklärt. Es gab keine Gruppenzeit, sondern eine Kakaozeremonie und ein Ecstatic Dance. Wie das zusammenhängen sollte konnte ich mir noch nicht genau vorstellen, aber ich freute mich sehr auf das Tanzen.

Nach dem Mittagessen versammelten sich die ersten um den Campus, dort sollte das Tanzen stattfinden. Auch ein DJ Pult war vorbereitet worden.

Im Sommer erzeugt die Solarthermie nahezu 100% unseres Warmwasserbedarfes

Zuerst sollten wir uns in 15er Gruppen zusammensetzen. Jeder Gruppe wurde ein Tablett mit Tassen gereicht, die später mit Rohkakao gefüllt werden sollten. Aber erst wurde uns die genaue Funktion des Kakaos erklärt.

Rohkakao ist anders als normaler Kakao, den wir sonst gerne trinken. Er wirkt herzöffnend, soll zu Klarheit und Selbstbestimmung verhelfen. Er kann auch innere Blockaden lösen und soll eine bessere Verbindung zur Mutter Erde entstehen lassen. Die indigenen Völker in Mexiko haben die Kakaozeremonie vor langer Zeit ins Leben gerufen und noch heute wird sie weltweit praktiziert.

Wir alle bekamen unsere Tassen gefüllt und uns wurde erklärt, dass jeder für sich tanzen sollte, es war eine Zeremonie, die jede Person anders interpretiert und verarbeitet.

Wir haben den Rohkakao mit Reismilch, Chili und etwas Zimt getrunken. Der Kakao war relativ dickflüssig und hatte teilweise Stückchen. Gerochen hat er fabelhaft, aber als ich den ersten Schluck trank, verzog ich das Gesicht. Eine ganze Tasse wollte ich davon jetzt trinken. Schluck für Schluck flößte ich mir das Getränk ein, ich war gespannt, was für eine Auswirkung der Kakao haben würde. Dieser erste Teil war auf jeden Fall eine Prozedur für sich, ich brauchte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich auch den letzten Rest ausgetrunken hatte. Die Musik hatte schon zu spielen begonnen und viele andere waren schon lange fertig und gaben der Wirkung freien Raum.

Ich stellte meine Tasse an den Rand und versuchte mich ins Hier und Jetzt zu versetzen und auf die Musik zu achten. Anfangs merkte ich nichts vom Kakao doch langsam begann ein innerer Prozess in mir.

Das ist, was ich während der Zeremonie gesehen und erlebt habe:

Ich kehrte in mein innerstes ein, in meinen Herztempel. Ich konnte genau sehen, wie es dort aussah. Alles strahlte in einem schönen rot. Es gab rote Kissen an einer Seite, wo ich mich gemütlich einkuscheln konnte. Die Fenster bestand aus buntem Glas, welches mit vielen, roten Herzen verziert war und den ganzen Raum in rotem Licht erleuchtete.

Als ich auf diesen Kissen saß, wollte ich meinen Schatten einladen, um mich ihm entgegen zu stellen. Nach kurzer Zeit merkte ich, wie mein Schatten vor der Tür des Herztempels war, doch als ich die Tür öffnete und ihn hereinbat, zeigte er sich nicht, ich konnte nur seine Anwesenheit spüren.

Da ich ihn sehen sollte, bot ich ihm an, außerhalb meines Herztempels gemeinsam zu tanzen. Er willigte ein und wir verließen den Tempel.

Draußen angekommen konnte ich ihn endlich sehen und wir tanzten gemeinsam zu der Musik, die meinen Körper immer mehr leitete. Ohne darüber nachzudenken bewegten sich meine Füße über den Campus. Manchmal mit offenen, manchmal mit geschlossenen Augen tanzte ich für mich allein und doch immer verbunden mit meinem Schatten.

Während wir tanzten ließ ich all meine Ängste, Blockaden und Identitäten gehen und füllte die Lücken mit Liebe, Freude und Dankbarkeit. Irgendwann erkannte ich, dass mein Schatten keinesfalls etwas schlechtes ist, sondern im Gegenteil bei all meinen Entscheidungen hinter mir steht und aufpasst, dass mir nichts passiert.

Langsam nahm ich auch die anderen Menschen wieder genauer wahr und schaute sie mir im vorbeitanzen an. Ich hatte das Gefühl, dass auch die anderen Menschen jetzt bereit dazu waren, nicht mehr nur für sich zu tanzen, sondern auch mit anderen.

Da es so warm auf dem Campus geworden war, wurden wir mit einem Feuerwehrschlauch abgekühlt. Das feierten wir alle und wir alle tanzten in zur Musik und erfreuten uns an dem kühlen Nass.

Am Ende kehrte ich ein letztes Mal in meinen Herztempel ein und verabschiedete meinen Schatten. Ich bedankte mich für den gemeinsamen Tanz und die neu erlebten Erfahrungen.

Die Musik wurde leiser und ich legte mich auf den Boden.

Mein inneres war so voller Liebe und Glück, dass ich gar nicht so recht wusste, wohin damit. Nach einiger Zeit stand ich auf, ging zu Marco und legte mich zu ihm. Mein Kopf war leer und frei und ich genoss es, einfach nur in der Sonne zu liegen.

Irgendwann standen wir beide auf, ich lief zu meiner Tante und erzählte ihr von meiner Erfahrung und sie erzählte, was sie erlebt hatte.

Ich weiß nicht, wie sehr mich der Kakao beeinflusst hat, doch die Erfahrung war unglaublich gewesen. Ich habe noch nie vorher so getanzt wie an diesem Tag und auch schon lange nicht mehr so intensiv gesehen. Diese Gefühle von Liebe und Freude begleiteten mich den ganzen weiteren Tag und ich wusste gar nicht, wie ich das alles in Worte fassen konnte.

Tag 5 – Halbzeit

Den Vortrag am nächsten Tag konnte ich wieder nicht mitverfolgen, da ich in der Kneipe helfen musste. Es war eine Warenlieferung angekommen und wir schleppten Kiste für Kiste ins Lager. Zum Mittagessen konnte ich gehen und war sehr froh, nicht noch mehr Kisten tragen zu müssen.

Nach dem Mittagessen traf ich mich endlich mal wieder mit meiner Tante. Wir sahen uns über die Festivalzeit nur sehr selten, was okay war, da wir beide sehr eingespannt waren, aber wir freuten uns immer über etwas Zeit zum Quatschen. Ich berichtete von den letzten Tagen, was ich erlebt hatte, wie es mir ergangen war und alles weitere.

Vor der Gruppenzeit wollte ich noch einmal zu Pool und eine Runde Schwimmen gehen. Danach sonnte ich mich und bemerkte, wie sich eine Person etwas entfernt neben mich gelegt hatte. Nach einiger Zeit sprach mich Dominik an. Es entstand das erste richtige Gespräch zwischen uns und wir verstanden uns auf Anhieb. Wir sprachen über Reisepläne, unsere Familien, unsere Jobs und vieles mehr. Gerne hätte ich mich noch weiter mit ihm unterhalten, aber ich musste zu meiner Gruppe.

Nach dem Abendessen wollte einer aus meiner Gruppe ein Gespräch mit mir führen und wir liefen über das Gelände, bis wir einen guten Platz gefunden hatten. Während wir über ein persönliches Thema sprachen, zerstochen uns gleichzeitig hunderte Mücken. Mir fiel es zu diesem Zeitpunkt noch schwer, Grenzen zu setzen und diese klar zu kommunizieren, daher konnte ich meinem Gegenüber nur ungenau erklären, was ich wollte und was nicht.

Als ich nach diesem Gespräch nur kurz in meinen Bauwagen wollte, um anschließend einen Film in Großzelt anzuschauen, kam ich nicht mehr weg. Ich schrieb die Erlebnisse der letzten Tage auf und ging früh schlafen. Langsam kam ein Prozess in Gang, den mein Inneres noch nicht verändern wollte. Ich wusste aber, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür war, um an mir zu arbeiten ob mein Inneres wollte oder nicht. Von allen Seiten merkte ich, wie ich Übungen gestellt bekam und mit Personen in Kontakt kam, denen ich nicht für immer aus dem Weg gehen konnte und mir nichts anderes übrig blieb, als die Übung anzunehmen und umzusetzen.

Tag 6 – Eine zweite Party

Am Tag der zweiten Party sollten Dominik und ich während des Vortrags wieder die Bar vorbereiten. Wir bekamen eine Liste mit all den Sachen an die wir denken sollten, damit wir nichts Wichtiges vergessen. Währenddessen erzählte ich ihm, was gerade in mir vor ging und er versuchte spaßeshalber mir Aufgaben als Übung zu stellen.
Als wir fertig waren, gingen wir zum Mittagessen.

Nach dem Essen hatte ich mich mit Marco am Pool verabredet und dieses Mal hatte ich eine Menge zu erzählen. In mir ging so viel vor und ich musste es irgendwie mitteilen, weil ich selbst damit überfordert war. Er riet mir, einmal mit einer Frau darüber zu reden und nicht nur mit Männern, denn die waren ja eine der Herausforderungen. Ich wollte versuchen das einmal auszuprobieren, wusste aber nicht, ob das klappen würde. Bald war es Zeit zu unserer Gruppe zu gehen. Wir gingen noch eine schnelle Runde baden und machten uns auf den Weg.

In der Gruppe wollte an diesem Tag einer von uns eine Übung vorstellen, die wir zusammen durchführen wollten. Dafür setzen sich immer zwei gegenüber. Während der Übung sollten wir unseren Gegenüber anschauen und ohne jegliche Wertung sagen, was wir bemerken. Dabei wechselten wir uns ab. Wir konnten uns mit der Antwort so viel Zeit lassen, wie wir brachten.

Ich kenne diese Übung und führe sie häufig für mich durch und dachte daher, dass es eine Leichtigkeit werden würde. Als ich meinem Partner Anton aber gegenübersaß, merkte ich, dass es mit einer zweiten Person nicht so leicht war. Am Anfang fühlte ich mich etwas unwohl und wollte schnell etwas finden, was ich bemerke. In der zweiten Runde wurde ich dann entspannter.

Am Ende tauschten wir uns in der Gruppe aus und es gab eine zweite Übung. Dieses Mal sollten wir zu dritt zusammenkommen. Immer eine Person sollte den anderen beiden gegenübersitzen. Diese Person Fragte nachdem sie bereit war die anderen „Was ist meine Box?“ Die anderen schauten die Person an und versuchten die Box der Person zu sehen.

Mit Box sind in diesem Fall bestimmte Charaktereigenschaften oder Eigenheiten gemeint, die eine Person sich angeeignet hat, um vielleicht bei anderen besser anzukommen oder einfacher durch Leben zu kommen. Die Antworten sind sehr ehrlich und könnten das Ego der Person verletzen, wenn sie sich nicht ganz öffnet.

Nach ca. fünf Minuten war das geschafft und nach einer kurzen Ruhepause fragte die Person „Was ist mein Sein?“. Und dieses Mal versuchten die anderen beiden noch tiefer in die Person hinein zu schauen und das wahre Sein zu erkennen.

Das Wahre Sein ist das, was die Person ausmacht, was sie im tiefsten Inneren wirklich ist. Auch hier kann es schwer sein, die Antworten anzunehmen, da das Sein oft empfindlicher und verletzlicher ist als die Box.

Die Übung war unglaublich intensiv und wunderschön. Meine beiden Partner, die ich bis vor kurzen noch nie gesehen hatte, waren auf einmal viel näher und vertrauter. Und wirklich, die Antworten auf meine beiden Fragen passten zu 90% auf meine Box und mein Sein.

Nach der Gruppenzeit wollte ich eigentlich zum Abendessen, aber hielt noch kurz bei Ruby, Hamer und Luise an, die sich draußen unterhielten. Ohne richtig zu wissen warum setzte ich mich zu ihnen und wir fingen an über die Gruppensession zu sprechen.

Bald kam auch noch Caren dazu und wir kamen ganz von alleine auf das Thema, was mich die letzten Tage begleitete. Als die anderen drei von ähnlichen Erfahrungen sprachen, war ich so froh, nicht alleine damit zu sein.

Abends stand ein weiteres Fest auf dem Plan. Wir wollten den Eros, dem Gott der Liebe und des Begehrens, feiern. Ich hatte in den letzten Tagen nicht viel Begehren in mir, eher eine Angst, noch mehr mit meinem Prozess konfrontiert zu werden, daher freute ich mich weniger auf die Party. Dieses Mal war ich froh zu arbeiten, denn so konnte ich mich immer zurückziehen, wenn ich eine Pause brauchte.

Wieder traf sich das Kneipenteam vorher zur Vorbereitung, dieses Mal schafften auch Lucas und ich es, den richtigen Ort zu finden.

Schon von Beginn an waren weniger Menschen auf dem Platz und die Stimmung schien bei vielen zwiegespalten. Andere dagegen freuten sich auf das Fest und verkleideten sich freudig oder malten sich an.

Wieder gab es einen angeleiteten Anfang. Wir sollten uns und in zwei Kreisen gegenüberstellen. Bei jedem Tanz bekam eine Person eine bestimmte Aufgabe, war der Tanz zu Ende, wechselte eine Person zur nächsten und die andere Person, mit einer neuen Person, war an der Reihe zu tanzen.

Bei diesen Tänzen fühlte ich mich wohl, das lag aber wohl auch daran, dass ich fast nur mit Frauen tanzte. Als der erste Part vorbei war, ging es hinter die Bar.

Zwischendurch gab es kleine Performances

Da die Musik für mich weniger einladen zum tanzen wirkte, blieb ich da auch die restliche Zeit des Abends. Auch die anderen aus unserem Team gingen eher selten tanzen und gegen späten Abend merkten wir, wie bei uns die Luft raus war. Wir setzten uns am Ende in die Kuschelecke neben der Bar, wo andere uns zum tanzen überreden wollten. Wir aber blieben lieber da wo wir waren.

Als das Fest vorüber war, freute ich mich, dass ich direkt ins Bett gehen konnte. Dort schrieb ich noch einige Eindrücke auf und ging bald schlafen.

In diesen letzten Tagen hat sich viel in mir getan, ich habe den Gruppenzeiten noch eine Chance gegeben und konnte mich endlich öffnen. Ich habe bemerkt, wie sich ein Prozess in mir in Gang setzte, auch wenn ich anfangs noch nicht ganz wusste, wie ich damit umgehen sollte. Ich habe die ersten tieferen Gespräche mit anderen Gästen gehabt und lernte das Gefühl einer gewissen Vertrautheit kennen.