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Meine innersten Gedanken vor einer langen Reise

Kurz vor einer großen Reise schwirren einem diverse Gedanken durch den Kopf. Aber auch schon lange Zeit vor der Abfahrt, noch bei der Planung, sind meine Gefühle durcheinander. In diesem Bericht möchte ich meine innersten Gedanken und Gefühle mit dir teilen. Ich möchte dir zeigen, worüber ich mir vor meiner Reise nach Nordamerika Gedanken gemacht habe oder wovor ich Angst hatte.

Ein knappes Jahr vor Reisestart

17.10.2020: Es ist noch eine gefühlte Ewigkeit bis zum Start meiner Großen Reise nach Nordamerika. Mein Plan bisher ist es, meine Wohnung Ende August 2021 (wurde dann schon Ende Juni) zu kündigen und mit meinem ganzen Krempel zu meinen Eltern zu ziehen. Ein paar Möbel sollen verkauft werden und andere gebe ich an meine Schwester oder lagere sie in meinem alten Zimmer. Mitte September will ich dann endlich erst Richtung Süden, auf die Kanaren, Trampen. Von da aus möchte ich mir ein Segelboot suchen, auf welchem ich, auch trampend, über den Atlantik schippern kann.

Alles fühlt sich gerade noch weit weg an und doch kommt mir die Zeit kurz vor, bis es losgehen wird. Ich stelle mir viele Fragen, da alles noch so undeutlich und verschwommen aussieht.

Werde ich einen Reisepartner finden?

Wird das Trampen gut und einfach funktionieren und wie werden die Menschen in anderen Ländern darauf reagieren?

Werde ich genügend Reisebudget haben, um so lange wie möglich reisen zu können?

Werde ich alles in meinen Rucksack bekommen? Ich muss schließlich Sommer- und Wintersachen dabeihaben.

Wie wird es sein, so eine lange Zeit alleine zu reisen?

Werde ich ein Working Holiday Visum für Kanada bekommen?

Werde ich ein gutes Auto finden?

Was muss ich alles einpacken? Am liebsten würde ich jetzt schon dreimal alles vorpacken, aber ich sage mir selber wie unnötig das noch fast ein Jahr vor Reisebeginn ist.

Etc.

Am liebsten würde ich jetzt schon meine Reise beginnen, um mich nicht mehr mit diesen Fragen herumschlagen zu müssen. Auch wenn ich vor Ort gerne spontan von Tag zu Tag entscheide, brauche ich vorab eine gewisse Sicherheit, dass ich alles bedacht habe und da gibt es einiges, was bedacht werden muss. Aber wer weiß, vielleicht sieht die Situation in ein paar Wochen schon wieder ganz anders aus. Aktuell lese ich viele Reiseführer und schaue ab und zu im Internet nach Informationen zu den Visa- oder Einreisebestimmungen. Durch Corona ist das ganze sowieso noch relativ schwer einschätzbar.

Auf jeden Fall freue ich mich schon unglaublich auf die Reise und kann es kaum erwarten. Am liebsten würde ich den ganzen Tag nur Reiseführer lesen und mir Dinge aufschreiben oder markieren. So habe ich schon ein bisschen das Gefühl, im jeweiligen Land angekommen zu sein.

Die Reise kommt immer näher

09.06.2021: Vor ein paar Tagen hat mich mein potenzieller Reisebegleiter besucht und wir haben 2 Tage in Dresden verbracht. Leider habe ich am Wochenende bemerkt, dass es mit uns nicht so gut passt, wie ich es anfangs erhoffte. Ich habe das Gefühl, dass wir uns ziemlich schnell auf die Nerven gehen könnten und dann eine so lange Reise zusammen zu starten ist wohl keine gute Idee. Daher habe ich ihm das heute mitgeteilt und leider anschließend nie wieder eine Nachricht von ihm bekommen (daher war es wahrscheinlich die richtige Entscheidung).

Das Problem ist, jetzt bin ich allein auf meiner Reise und weiß nicht, ob ich meinen Plan genauso durchsetzen kann, wie gehofft.

Kleine Umgestaltungen

15.06.2021: Ich werde meine Reisepläne etwas an meine jetzige Situation anpassen. Solange ich alleine unterwegs bin, werde ich mehr mit Bus und Bahn unterwegs sein als ich dachte. Wenn ich unterwegs Leute kennen lerne, werde ich mit diesen Trampen (wenn es sich ergibt). Und wer weiß, vielleicht finde ich ja doch noch jemanden, mit dem ich zumindest durch Europa Trampen oder Reisen kann, noch ist ja Zeit.

08.07.2021: Heute kam mir die Idee, meine Mama zu fragen, ob sie mich ein paar Wochen zu Beginn meiner Reise begleiten möchte. Sie würde gerne seit Monaten mal wieder verreisen aber durch Corona ist das schwieriger als gedacht. So können wir eine schöne Mutter-Tochter-Zeit haben und uns Europa anschauen. Meine Mama möchte sich auch seit längerer Zeit einen Camper Van kaufen und jetzt sind wir auf intensiver Suche. Wenn wir bis Ende September einen gefunden haben werden wir vielleicht damit die ersten Wochen unterwegs sein. Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich jetzt jemanden für meine ersten Wochen gefunden habe.

Arbeiten auf Reisen

18.08.2021: Heute habe ich endlich das Go bekommen, dass ich meine Arbeit mit auf Reisen nehmen kann! Ich freue mich riesig, denn so kann ich auch unterwegs Geld verdienen und länger Reisen. Alles geht von meinem Laptop aus, sodass ich kein extra Zeug mitnehmen muss. Ich habe sogar einen Surfstick, den ich auf der ganzen Welt Internet nutzen kann.

Die letzten Wochen vor Reisestart

01.09.2021: Zwei Wochen vor Reisebeginn stehen die letzten Planungen an. Ich bin ständig unterwegs, will nochmal so viele Freunde wie möglich treffen, gleichzeitig muss noch eine Auslandskrankenversicherung, eine Kamera und einiges mehr organisiert werden. In der Zeit, in der ich nicht Arbeite, bin ich am Vorbereiten, renne zu Ärzten und Ämtern und habe Angst, dass die Zeit nicht reichen könnte.

Trotzdem ist dieses unter Strom stehen für mich genau das richtige, nur so laufe ich auf Hochtouren und bekomme alles unter einen Hut. Aber ich freue mich auch auf die Pause, die ich hoffentlich haben werde, wenn ich endlich unterwegs bin.

Am Wochenende bin ich außerdem mit Freunden das erste Mal in meinem Leben Segeln gewesen. Jetzt kann ich es kaum erwarten, bald in Wirklichkeit den Atlantik zu überqueren!

12.09.2021: In wenigen Tagen geht meine Reise nun wirklich los. Ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich dann wirklich ca. drei Jahre auf Reisen sein werde. Einerseits bin ich schon unglaublich aufgeregt, freue mich, all die neuen Dinge kennen zu lernen, Abenteuer zu erleben und frei zu sein. Andererseits lasse ich aber auch viele Menschen zurück. Als wir letztens ein Abschiedsessen mit meinen Großeltern hatten und diese dachten, ich fahre erst ein paar Wochen später, spürte ich ihre und auch meine Trauer über die lange Trennung.

Es ist wirklich komisch, alle Menschen für eine so lange Zeit zu verlassen, aber ich weiß auch, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt für mich ist, diese Reise anzutreten. Sonst würde ich es vielleicht nie machen.

Langsam habe ich auch alles zusammengepackt und alle wichtigen Dokumente beisammen. Es fühlt sich zwar immer noch nicht so an, als würde ich bald weg sein, aber ich bin zumindest gut vorbereitet.

16.09.2021: Es ist so weit, heute ist der offizielle Start meiner Reise und es geht nach Freiburg. Ich kann es noch gar nicht wirklich glauben, dass ich meine Familie und die Freunde in meiner Heimatstadt jetzt für eine sehr lange Zeit nicht mehr sehen werde.

Es fühlt sich alles noch unwirklich und unreal an, besonders, weil ich in der nächsten Woche mit Freunden zusammen am Freiwilligenprojekt in St. Stephan teilnehme. Es ist, als würde ich sie nur besuchen und dann wieder nach Hause fahren.

Ich glaube erst nachdem ich mit meiner Mama unterwegs war und sich unsere Wege trennen, wird mir richtig klar, jetzt geht es los und es gibt kein Zurück mehr.

Unterwegs

09.10.2021: Die ersten Wochen meiner Reise sind nur vergangen, wie schnell die Zeit mal wieder verflogen ist, wirklich unglaublich. Gestern hat sich meine Mama auf den Rückweg gemacht und nun bin ich erstmal auf mich gestellt. Für die nächste Woche habe ich jetzt aber immerhin einen groben Plan und es hat sich auch ein Reisepartner für ein paar Tage finden lassen. 

Bis dahin hänge in meiner Hängematte und hole etwas Arbeit der letzten Wochen auf und alles fühlt sich ganz komisch an. Immer noch ist alles etwas surreal, aber so langsam wird mir immer mehr klar, jetzt geht es los!

Ich kann nicht in die Zukunft blicken, aber ich weiß, dass ein neuer Lebensabschnitt von mir jetzt begonnen hat. Es wird sich sicherlich viel verändern und wenn ich in ein paar Jahren zurückblicke, lache ich vielleicht darüber, dass ich mir am Anfang so viele Gedanken gemacht habe. Wer weiß…

Was sind deine Gedanken vor einer langen Reise oder auch vor kürzeren Reisen? Machst Du dir Sorgen, ob auch alles klappt oder bist Du schon vorher sicher, dass alles super laufen wird?