Roadtrip „Ab in den Süden“ – Teil 1

Roadtrip „Ab in den Süden“ – Teil 1

Vor einigen Monaten hat mich mein guter Freund Nico gefragt, ob ich mit ihm und anderen Freunden auf einen Roadtrip kommen möchte. Die Idee war Campen zu gehen, durch die Schweiz bis nach Südfrankreich zu fahren und dort Surfen zu gehen. Da musste ich auf jeden Fall zusagen. Campen ist super und neue Leute kennen lernen liebe ich. Surfen auszuprobieren fand ich auch interessant, da ich das schon immer mal machen wollte.

So ging die Planung los. Ich konnte mich daran leider wenig beteiligen, da ich wegen meiner Bachelorarbeit eingespannt war, aber die anderen hatten viele Ideen. Eigentlich wollten wir einen Tramping-Urlaub machen, aber wegen Corona waren wir uns nicht sicher, ob uns Menschen mitnehmen würden, daher entschieden wir uns, mit drei Autos zu fahren und auf Campingplätzen und „Wildcampsites“ zu übernachten. Trampen wollten wir aber trotzdem ausprobieren.

Unsere ursprüngliche Route. Ziemlich schnell wirst Du merken dass wir komplett anders fuhren.

Am 01.08. fuhr ich nach Offenburg, wo ich mich mit den ersten Leuten traf. Mit Nico und seiner Freundin, Sandra, durften wir bei Nehle übernachten und konnten dort die ersten Sachen ins Auto packen, weiteres besprechen und uns kennen lernen.

Nachdem ich angekommen war schauten wir uns noch den Sonnenuntergang in den Weinfeldern an

Der erste Tag – Das Kennenlernen

Am nächsten Tag sollte es richtig losgehen und ich lernte den Rest der Gruppe kennen. Insgesamt waren wir 10 Personen und später sollten noch zwei dazu kommen. Das spannende war, dass keiner alle aus der Gruppe kannte und wie ich neu dazu kamen.

Nehle und Nico wollten direkt am ersten Tag nach Luzern, unser erstes Ziel in der Schweiz, trampen. Wir anderen wollten mit dem Auto hinterherfahren, um sie, falls es nicht klappen würde, einzusammeln und gemeinsam nach Luzern zu fahren. Wir nahmen auch die Rucksäcke der beiden mit, damit sie weniger Gepäck hatten. Das Trampen funktionierte aber so gut, sie mussten nie mehr als 15min. warten, sodass sie bereits eine Stunde früher in Luzern ankamen als wir. Gemeinsam konnten wir einen Campingplatz ausfündig machen.

Bevor wir dorthin fahren wollten, schauten wir uns die Stadt an. In Luzern gibt es eine wunderschöne, alte Brücke die über den Fluss führt. Auch der Hafen ist schön. Alles ist mit Blumen geschmückt, was Farbe und Charme in die City bringt. Leider fing es bereits gegen Mittag an zu regnen. Uns störte es wenig, aber wir wollten doch schnell auf den Campingplatz um die Zelte einigermaßen im trockenen aufzubauen.

Das klappte nur so halb, aber auf dem Platz gab es einen großen Aufenthaltsraum und eine Küche, sodass wir immerhin im trockenen kochen und essen konnten. Der erste Tag ging schnell zu Ende. Wir besprachen die Pläne für die nächsten Tage und lernten uns weiter kennen. Wir hatten viele Zelte dabei, sodass wir jeweils zu zweit in einem schliefen. Nico und Sandra hatten eine Matratze im Auto und konnten dies umbauen um drin zu schlafen. In der ersten Nacht schlief ich mit Nehle in einem Zelt und auch wenn wir uns erst 24 Stunden kannten, konnten wir uns über viele Dinge unterhalten und hatten direkt eine spezielle Connection entdeckt, die uns mehr zusammenschweißen ließ.

Tag zwei – Saanen und eine verregnete Schweiz

Am nächsten Tag war unser Plan, nach Saanen auf einen Campingplatz zu fahren. Dies ist ein kleines Städtchen in der Schweiz und da das Wetter nicht besser werden sollte, konnten wir immerhin etwas Strecke zurücklegen. Vorher Frühstückten wir aber erstmal. Nehle und Eliza waren extra in Deutschland einkaufen gegangen, sodass wir nun genügend Brot und Aufstriche für alle hatten. So mussten wir nichts in der Schweiz einkaufen, was um einiges teurer geworden wäre.

Anschließend mussten wir noch die nassen Zelte abbauen und alles im Auto verstauen. Als der Regen für ein bis zwei Stunden eine Pause einlegte, konnten wir sogar noch eine Runde Volleyball auf einem Feld neben dem See am Campingplatz spielen. Die Jungs und Sandra sprangen, als es wieder zu regnen anfing sogar kurz in den See. Nach einer warmen Dusche konnte es zum nächsten Ziel gehen.

Die ersten bereiten sich schon mal vor 😀

Auf unserer Fahrt durch die Schweiz konnten wir leider Wetterbedingt keine Berge oder Seen sehen. Alles war grau und kalt. Auch die Zelte mussten wir im Regen aufbauen. Aber wieder gab es eine Küche und eine kleine Hütte, die wir beschlagnahmten um dort gemeinsam den Abend zu verbringen. Malte kann super Gitarre spielen und hatte jede Menge Lieder mit Akkorden dabei, sodass wir den ganzen Abend gemeinsam sangen, Gitarre und Ukulele spielten. Es war trotz des kalten Wetters ein unglaublich schöner Abend und man konnte die positive Energie spüren.

Tag drei – Endlich Sonne in Frankreich

Am nächsten Morgen kochten wir für alle Porridge mit Bananen, Studentenfutter und Apfelmus. Nach dieser Stärkung konnte es endlich Richtung Sonne und Frankreich gehen. Sobald wir die Grenze überquerten, merkten wir, wie es wärmer und trockener wurde. Ich lebte endlich wieder auf. Das kalte Wetter ist nicht meine Welt, Regen und Wind lassen mich schnell unmotiviert werden. Daher war ein Wetterwechsel perfekt und ich konnte neue Energie sammeln.

Das erste Ziel in Frankreich war Annecy, ein kleines Städtchen an einem tollen See. Unser Auto kam als erstes an, sodass wir am See ein paar Dinge erledigen und Sonne tanken konnten. Als die anderen beiden Autos kamen, wollten wir gemeinsam im See schwimmen gehen und danach die Stadt ansehen. Das Wasser war super kalt, aber erfrischend. Annecy ist eine wunderschöne City, ein Fluss fließt hindurch und es gibt ganz viele alte Gebäude. Leider hatten wir nicht viel Zeit uns alles anzuschauen, da wir noch zu unserem Schlafplatz fahren mussten. Wir aßen alle fanzösische Baguettes und fuhren zu einem Parkplatz, der in den Bergen lag.

Tag vier – Die Wanderung

Ganz früh am nächsten Morgen hatten wir eine Sunrise Tour geplant. Wir wollten um 04:00 Uhr aufstehen und ca. 1200m hoch auf den „La Tournette“ Berg Wandern. Nicht alle in der Gruppe sind Wanderbegeistert, daher teilten wir uns auf. Zu siebt standen wir nach 5 Stunden Schlaf, mitten in der Nacht, wieder auf, packten alles zusammen und wanderten los. Die Tour sollte ca. 5 Stunden dauern und wir planten um 09:00 Uhr wieder bei den Anderen anzukommen.

Zunächst liefen wir querbeet durch kleine Wege, die entlang einer steilen Straße führten. Wir kamen an einer Molkerei vorbei, in der ein Bauer bald begann, seine Kühe zu melken. Dann ging es immer weiter den Berg hinauf. Einige aus der Gruppe sind gute Wanderer und konnten schnell den Wegen folgen. Sandra und ich sind weniger ausdauerfähig und brauchten etwas länger.

Als wir schon einige Höhenmeter geschafft hatten, berichteten uns die Anderen, dass sie Steinböcke gesehen hätten. Und tatsächlich waren dort zwei Steinböcke, die uns ein Stück des Wegs begleiteten und uns zeigten, wo wir hinmussten. Es war fast ein magischer Moment, die Steinböcke hatten keine Angst und ließen uns auf ca. 10m herankommen. Ganz in Ruhe stiegen sie den Berg hinauf, als wäre es ihr morgendlicher Spaziergang, auf dem sie ein paar Touris den Weg zeigten. Allein dafür hatte sich der Aufstieg und das frühe Aufstehen gelohnt. Dieses Ereignis gab mir neue Kraft, den Berg weiter zu bewandern.

Langsam wurde der Himmel immer heller und die Sonne würde bald aufgehen. Uns war klar, dass wir den Sonnenaufgang verpassen würden, aber das war okay, denn wir wollten uns nicht hetzen, sondern die tolle Landschaft und deren Tiere bestaunen. Jonathan hatte seine Kamera dabei und war fleißig dabei, alles in Fotos festzuhalten.

Bald kamen wir an einer Passage an, die sehr steil war und wir klettern mussten. Wir kletterten langsam, voller Konzentration an den Felsen entlang bis das nächste Stück Geröll kam und wir sicherer laufen konnten. Ich war wirklich froh, dass wir nur kleine Rücksäcke dabeihatten und keine großen Backpacks, die hätten das Ganze erschwert.

Dann waren wir endlich auf der ersten Etappe angekommen, es war noch nicht ganz die Spitze, aber hier wollten wir erstmal eine Pause machen und frühstücken. Es tat uns allen gut, im Gras zu sitzen, die Sonne im Gesicht zu spüren und leckeren Porridge zu essen. Endlich wurde mir warm, die letzte Nacht war wieder sehr kalt gewesen und trotz mehrerer Schichten an Kleidung war es im Schatten immer noch eiskalt. Auf dieser Wiese sahen wir erste Wanderer, die auch so früh den Berg hinaufsteigen wollten.

Nachdem wir uns gestärkt und gegenseitig gewärmt hatten, konnten wir das Finale Stück erklimmen. Wir hatten noch 200m vor uns, aber es war auch ein Abschnitt, der fast nur aus Felsen bestand. Auf dem Weg nach oben begegneten wir immer mehr Menschen. Teilweise waren es Jogger, die mit einer Leichtigkeit die Höhenmeter bezwangen, wo wir nur staunen konnten. Wir dachten eigentlich, dass diese Wanderung weniger bekannt wäre und nicht, dass viele Wanderer oder gar Jogger (täglich) ihrer Morgenroutine nachgingen und „mal eben“ den Berg hoch und wieder runter rannten.

„Der Weg“

Bald darauf waren wir auf der Spitze angekommen und konnten sogar bis zum „Mont Blanc„, dem höchsten Berg der Alpen und der EU, schauen. Die Aussicht war fantastisch. Wir sahen weitere Steinböcke und Schafe und das Wetter war unglaublich. Auch hier machten wir eine Pause. Langsam wurde uns klar, dass wir nicht innerhalb von 5 Stunden wieder am Parkplatz ankommen würden und schrieben den Anderen, dass wir ca. 2 Stunden länger brauchen werden.

Wir hatten uns entschieden, einen Rundweg zu laufen, sodass wir zum einen mehr sehen und zum anderen die steilen Stücke nicht wieder herunter klettern mussten. Wir hatten trotzdem noch einiges vor uns, denn die 1200 Höhenmeter mussten wir auch wieder runter. So liefen wir über Wiesen und Geröll, trafen weitere Menschen und Steinböcke und rannten den Berg hinunter. Auch wenn mein Körper kaputt war, war es ein unglaubliches Gefühl von Freiheit mit den Anderen die Pfade entlang zu rennen.

An einem Wasserfall konnten wir unsere Flaschen auffüllen, die bei allen so gut wie leer waren, und machten eine weitere Pause. Die zwei Stunden waren bereits um und wir schrieben erneut, dass wir später kommen würden. Wir hatten nicht mehr viele Kilometer vor uns, aber der Weg zog sich. Am Ende liefen wir noch durch einen Wald und kamen endlich am Parkplatz an. Die anderen hatten schon die Zelte zusammengepackt und Malte spielte auf der Gitarre. Wir ruhten uns aus, erzählten von unseren Begegnungen und fuhren danach zusammen weiter.

dort oben sind wir gewesen 😀

Abends wollten wir in Lyon ankommen, wo Gian und Elli dazu stoßen sollten. Vorher wollten wir aber im „Lac d´Annecy“ schwimmen gehen und uns abkühlen. Dafür teilten wir uns wieder auf, denn die einen wollten weiterfahren und einkaufen gehen. Nach einer schnellen Abkühlung machten wir noch eine kleine Mittagspause, kauften uns 2L Eis und Baguette. Auf einem Parkplatz im Schatten aßen wir mit Gabeln das Eis und schmierten uns Baguettes mit Schokocreme und Schokoeis (Mega lecker solltest Du mal ausprobieren 😀 ).

Das vorgefahrene Auto Checkte auch schon beim Campingplatz ein, sodass wir einfach dazu kommen konnten, um gemeinsam zu kochen und die beiden Neuankömmlinge kennen zu lernen.

Tag fünf – Lyon

In Lyon wollten wir zwei Nächte bleiben, damit wir ein bisschen Zeit hatten, uns die Stadt anzuschauen und entspannen konnten. Morgens machten wir uns ein super schickes Frühstück mit Rührei und Baguettes.

Anschließend spielten wir Wikingerschach und Volleyball und gingen in den Pool. Wir redeten über Reisen, zukünftliche Ziele und alles Mögliche. Am Nachmittag wollten wir in die Stadt trampen und den Abend dort ausklingen lassen. Wir teilten uns in Zweier- und Dreiergruppen auf, sodass wir einfacher von Autofahrern mitgenommen werden konnten. Jede Gruppe hatte eine Person, die einigermaßen gut französisch sprach, damit wir uns mit den Autofahrern unterhalten konnten. Wir malten uns Schilder auf denen Stand, dass wir gerne ins Zentrum mitgenommen werden möchten und liefen zu einer gut befahrenen Straße.

Wir mussten keine 10min warten und schon hielt ein Auto an. Drinnen saß ein Franzose der gerade auf dem Weg ins Zentrum war, um einen Freund zu besuchen. Max und Nehle waren in meiner Gruppe. Max konnte gut Französisch und sich mit unserem Fahrer gut verständigen. Nehle und ich sprechen beide kein Wort Französisch, konnten die Konversation aber grob mitverfolgen. Nach einer kurzen Zeit waren wir im Stadtzentrum angekommen und trafen uns mit den Anderen. Als wir alle wieder vereint waren, schauten wir uns die Altstadt an.

Später kauften wir uns eine Pizza und setzten uns an den schönen Fluss, der durch die Stadt fließt. Nach dem Essen holten wir die Ukulele raus, spielten Musik, sangen und tanzten dazu.

Anschließend wollten wir auf einen Hügel, der in der Stadt liegt, da dort oben eine tolle Sicht auf die Stadt, eine Kirche und ein Amphitheater sind. Als die Sonne untergegangen war, teilten wir uns erneut auf (einige wollen ein bisschen Schlaf für den morgigen Tag bekommen) und liefen die vielen Treppen bis zur Spitze hinauf. Oben angekommen konnten wir über die ganze Stadt schauen und den Mond mit all den Stadtlichtern betrachten.

Eigentlich wollten wir uns noch das Amphitheater anschauen, aber das war leider geschlossen, weshalb wir kurz darauf zur Metrostation liefen und zum Campingplatz zurück fuhren. Als wir dort ankamen war das Tor verschlossen und wir hatten natürlich das Passwort nicht im Kopf, daher kletterten wir drüber, bzw. rollten drunter durch. Dann konnten wir endlich in unsere Zelte und schlafen gehen.

Am nächsten Tag wollten wir nach Nizza fahren. Dort haben Elizas Eltern zwei Ferienwohnungen und wir durften dort zwei Nächte übernachten. Die Fahrt dahin würde aber fast 5 Stunden dauern, daher wollten wir früh aufstehen.

Das waren die ersten 5 Tage unserer Reise. Wir haben unglaublich viel erlebt, auch wenn wir nicht viel Sightseeing gemacht haben. Die gemeinsame Zeit und das schnelle Kennen lernen war uns wichtiger. Die tollen Gespräche, die gemeinsamen Spiele und Autofahrten haben uns schnell zu einer Familie zusammenwachsen und eine unvergessliche Zeit entstehen lassen. Auch in Nizza und unseren weiteren Zielen auf der Tour haben wir viel erlebt. In Roadtrip „Ab in den Süden“ – Teil 2 kannst Du mehr über unsere zweite Woche erfahren.

Hast Du schon einmal einen Roadtrip mit Freunden, Bekannten oder unbekannten Menschen gemacht? Wie waren Deine Erfahrungen und was habt ihr alles erlebt? Schreib mir gerne Deine Eindrücke in den Kommentaren. 😛

6 thoughts on “Roadtrip „Ab in den Süden“ – Teil 1

  1. Wie schön, die Bilder und die Texte zu lesen, das macht Spaß und Lust auf neue Reisen. Danke, dass du die Erlebnisse mit uns teilst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.